18. Februar 2026

Düsseldorf im Reformdruck: Haucap fordert strukturelle Erneuerung des Standorts

Foto 1 Hahlhege Haucap Dörrenberg
v.l.: Dr. Reinhold Hahlhege, Prof. Dr. Justus Haucap, Eduard H. Dörrenberg

Ökonom warnt beim Heimatabend der Düsseldorfer Jonges vor trügerischem Konjunkturoptimismus

Mit einem nüchternen Blick auf die wirtschaftliche Lage Deutschlands hat Prof. Dr. Justus Haucap gestern Abend, 17. Februar 2026, im Henkel-Saal beim Heimatabend „Ökonomische Zeitenwende: Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland“ der Düsseldorfer Jonges vor strukturellen Versäumnissen gewarnt. Zwar gebe es „zaghafte Aufwärtsbewegungen“ bei Konjunkturindikatoren und Erwartungen, doch ein nachhaltiger Aufschwung sei nicht in Sicht. „Ein kleines Konjunkturfeuerwerk reicht nicht“, so Haucap. Deutschland stehe vor grundlegenden Reformaufgaben.

Haucap ist Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität und Mitglied im Wissenschaftlichen Beraterkreis für evidenzbasierte Wirtschaftspolitik von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. In seinem Vortrag machte er deutlich, dass das Wachstum der vergangenen Jahre im internationalen Vergleich schwach ausgefallen sei. Während Nachbarländer wie Dänemark, die Niederlande oder die Schweiz deutlich dynamischer gewachsen seien, habe Deutschland seit 2019 faktisch stagniert. Auch bei Innovation und Wettbewerbsfähigkeit habe das Land an Boden verloren.

Besonders kritisch sieht der Ökonom die strukturellen Rahmenbedingungen: hohe Steuerbelastung, zunehmende Bürokratie und eine aus seiner Sicht unzureichende Innovationsdynamik. „Wir haben kein kurzfristiges Konjunkturproblem, sondern ein strukturelles Problem“, betonte Haucap. Deutschland brauche eine „Renaissance der Angebotspolitik“, um wieder dauerhaftes Wachstum zu erzielen. Dazu zählten wettbewerbsfähigere steuerliche Bedingungen, ein konsequenter Bürokratieabbau, Investitionen in Bildung und Digitalisierung sowie Reformen am Arbeitsmarkt und in der Rentenpolitik.

Mit Blick auf den Industriestandort verwies Haucap zudem auf die energiepolitische Lage. Deutschland bleibe auf absehbare Zeit stark von Energieimporten abhängig. Energieintensive Industrien stünden daher unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Strukturwandel sei unausweichlich, wenn die Rahmenbedingungen nicht verbessert würden.

Jonges-Baas Dr. Reinhold Hahlhege unterstrich die Bedeutung der Ausführungen: „Prof. Haucap hat klar aufgezeigt, dass wir uns nicht auf kurzfristige Stimmungsaufhellungen verlassen dürfen. Wenn wir unseren Wohlstand sichern wollen, müssen wir jetzt strukturelle Reformen anpacken.“ Die Düsseldorfer Jonges greifen mit ihren Heimatabenden regelmäßig wirtschaftlich und politisch relevante Themen auf und bieten ihren Mitgliedern sowie Gästen ein Forum für fundierte Diskussionen zur Zukunft von Stadt, Region und Land.

Die lebhafte Debatte im Anschluss zeigte, wie sehr die wirtschaftliche Entwicklung und die Perspektiven des Standorts auch in Düsseldorf bewegen.