24. Juni 2026

Nach Diskussion um Hinweisschild am Ratinger Tor: Düsseldorfer Jonges und fiftyfifty setzen auf Dialog

Helmut, Ongaro, Django Copyright DüsseldorferJonges Wolfgang Harste
Helmut (v.l.) vom Straßenmagazin fiftyfifty, Streetworker Oliver Ongaro und Django hängten ein neues Schild am Ratinger Tor auf.

Eine vom Heimatverein Düsseldorfer Jonges angebrachte Hinweistafel am Ratinger Tor hat in den vergangenen Tagen zu öffentlichen Diskussionen geführt. Hintergrund ist eine seit längerer Zeit bestehende Problemlage im unmittelbaren Umfeld des Gebäudes. Die Düsseldorfer Jonges als Mieter des Ratinger Tores sehen sich regelmäßig mit erheblichen Verschmutzungen konfrontiert, darunter zurückgelassener Müll, Erbrochenes sowie menschliche Exkremente. Die Beseitigung dieser Hinterlassenschaften wird häufig von ehrenamtlich engagierten Vereinsmitgliedern übernommen. Als Mieter des Ratinger Tores fühlen sich die Düsseldorfer Jonges dem Erhalt und einem gepflegten Erscheinungsbild des historischen Bauwerks verpflichtet. 

Die aktuellen Reaktionen auf die Hinweistafel machen jedoch deutlich, dass diese Maßnahme unterschiedlich wahrgenommen wird und Missverständnisse entstanden sind. „Die Diskussion um das am Ratinger Tor angebrachte Schild hat einen Eindruck entstehen lassen, den wir bedauern und der nicht unserer Haltung entspricht. Es wird unserem Selbstverständnis und unserem langjährigen Engagement für die Menschen in Düsseldorf nicht gerecht. Als Heimatverein engagieren wir uns seit Jahrzehnten ehrenamtlich für die Menschen in unserer Stadt“, sagt Jonges-Baas Dr. Reinhold Hahlhege. 

So unterstützt u.a. die Tischgemeinschaft „Ächte Frönde“ regelmäßig die Armenküche, die Tischgemeinschaft „Medde d’rzwesche“ engagiert sich beim Malteser Wohlfühlmorgen und die „Scholljonges“ haben zuletzt mit einer Reibekuchenaktion am Bolker Stern in der Altstadt Spenden gesammelt, die unter anderem dem GuteNachtBus zugutekamen. Über den Charity Award der Düsseldorfer Jonges wurden zudem Spendengelder unter anderem an das Trebe-Café vergeben, eine wichtige Anlaufstelle für Mädchen und junge Frauen, deren Lebensmittelpunkt auf der Straße ist. Erst im vergangenen Winter wurden am Ratinger Tor außerdem Decken und Getränke an wohnungslose Menschen verteilt.

Mit einer symbolischen Aktion machte fiftyfifty heute, 24. Juni 2026, am Ratinger Tor auf die Situation wohnungsloser Menschen aufmerksam und brachte eine eigene Hinweistafel an, die für mehr Solidarität wirbt. Vertreter:innen der Düsseldorfer Jonges und der Wohnungsloseninitiative nutzen die Gelegenheit zum Dialog. Beide Seiten verständigten sich darauf, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Im Gespräch wiesen die Vertreter von fiftyfifty darauf hin, dass soziale Träger und Streetworker bei vergleichbaren Situationen als Ansprechpartner und Vermittler zur Verfügung stehen. „Wenn es Probleme gibt in der Stadt, dann kann man sich bei uns melden“, erklärte fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf. „Wir sind durchaus in der Lage, mit den Personen zu reden.“

Die Düsseldorfer Jonges begrüßen dieses Angebot ausdrücklich. Dass diese Unterstützungsangebote auch in Situationen wie am Ratinger Tor unmittelbar eingebunden werden können, war vielen Beteiligten bislang nicht bewusst.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen deshalb künftig auch innerhalb des Vereins weitergegeben werden. Darüber hinaus nahmen die Düsseldorfer Jonges die Einladung an, sich bei gemeinsamen Rundgängen ein noch umfassenderes Bild von der Situation wohnungsloser Menschen in Düsseldorf zu machen.

Beide Seiten waren sich darüber einig, dass die Herausforderungen rund um Wohnungslosigkeit nicht durch Schilder gelöst werden können, sondern nur durch Dialog, soziale Unterstützung und konkrete Hilfsangebote.